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VL-Ergebnisse
Marathon-DM 08.05.05 Regensburg

U.a. Artikel erschien Ende Juni in der Verbandszeitschrift “NLV-Info” 3/2005 des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes

Der harte Weg aufs Treppchen

oder 42,195 km Anlauf für den Sprung aufs Siegerpodest

Das Damenteam des SV Eintracht Hiddestorf gewinnt Bronze bei den Marathon-DM in Regensburg

Das Team

Sie kennen sich schon viele Jahre: Kerstin Brünig, Bianca Stanienda und Anne Toffel. Und sie ver-bindet eine lange gemeinsame Zeit im Langstreckenlauf. In den 90er Jahren - auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren - gehörten die drei (Bianca noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) zur norddeut-schen Marathonelite; mit Bestzeiten deutlich unter 2:55 Stunden.

Die Freundschaft hielt, auch wenn das Laufen in den Hintergrund trat. Anne zog als Physiotherapeutin nach Regensburg und hängte ihre Laufschuhe an den Nagel. Bianca widmete sich ihrer Rolle als Mutter zweier Töchter, und Kerstin laborierte an diversen Verletzungen. Doch sie verloren sich nie aus den Augen.

Die Idee

Aus einer „Sektlaune“ heraus entsteht im Juli 2004 der Gedanke, es einmal wieder mit dem Marathon zu versuchen, zumal die „Deutschen“ am 08.05.2005 in Regensburg stattfinden sollten. Einmal wieder als Team an den Start gehen, und „mal schauen, wie weit frau so kommt“.

Der Verein

Schnell entschieden ist die Frage, für welchen Verein die Drei starten sollten. Bianca, seit Anfang 2004 Mitglied im Lauftreff des SV Eintracht Hiddestorf, gewinnt ihre Mitstreiterinnen schnell für ihren Club. Ihr Argument: „Kein Leistungsdruck, keine B-Trainer-Peitsche, keine Erwartungshaltung“. Also her mit den SVE-Startpässen!

Das Wintertraining

Für einen Frühjahrsmarathon wird der Grundstein im Winter gelegt. Ein ständiges gemeinsames Training scheitert schon an den Entfernungen. So arbeitet jede nach ihrem eigenen Trainingsplan. Insbesondere Anne muss nach langer Laufpause zunächst einiges an Aufbauarbeit leisten. So manches Mal trifft man sich aber doch: beim 20-km-Deister-Bergtraining bei der Winterserie in Bredenbeck; zusammen mit dem Hiddestorfer Lauftreff.

Standortbestimmung

„Marken einschlagen“ und Position bestimmen. Wettkämpfe während der Vorbereitung sind das Salz in der Suppe und dokumentieren den Erfolg der Trainingsarbeit. Kerstin legt vor: Sieg bei den Damen beim Silvesterlauf in Hasede über 10 km. Bianca legt nach: Platz 1 in der Damenwertung beim Celler Wasa-Lauf über 15 km. Anne gewinnt kleinere Volksläufe rund um Regensburg und wird Altersklassen-Zweite beim Paderborner Osterlauf über 10 km

Das Trainingslager

Den ultimativen Kick gibt es für die Athletinnen über Ostern. Vom 26.03. bis 02.04.2005 geht es „in die Sonne“ ins paradiesisch-portugiesische Monte Gordo. Wer aber hier an Erholung denkt, liegt falsch. Bei morgendlichen und abendlichen Trainingsläufen mit der gesamten Palette der Folterinstrumente (Intervalltraining, Steigerungs- und Bergläufe und natürlich die „langen LDL-Sachen“) kommen 155 Wochenkilometer zusammen. Uff…

Letzte Vorbereitung

Natürlich gilt in der Woche vor dem Lauf nur noch: Trainingsstand konservieren! Täglich telefonieren die drei miteinander. Und wer kennt nicht die bangen Fragen vor dem Wettkampf: „Habe ich wohl genug getan? Was soll denn das Zwicken im Kniegelenk bedeuten? Und wer werden wohl unsere direkten Konkurrentinnen sein?“

Vor dem Lauf


Am Freitag vor dem Lauf gemeinsames Treffen in einem Hotel in Startnähe. Schön, sich endlich wiederzusehen! Und gemeinsames Carbo-Loading bei einer privaten Nudelparty. Anschließend verteilt Bianca die neuen Trikots in leuchtendem Orange: „Wenn wir schon nicht die Schnellsten sind: wir werden die Schönsten sein!“

 

Das Versprechen

„Wir laufen durch: und wenn es auf dem Zahnfleisch ist!“ Bei einem Dreier-Team sind keine Ausfälle zu vertreten. „OK – Hand drauf! Packen wir’s an! Jetzt gilt’s! Jede macht ihr Rennen! Wir treffen uns im Ziel!“

Der Lauf

Kein Taktieren! Das Beste geben! Kerstin und Bianca stehen in erster Startreihe, Anne im Mittelfeld von insgesamt 1.800 Startern. Es ist kalt: 3°C am Start, Regen und böiger Wind. Eigentlich kein optimales Marathon-Wetter. Aber die Bedingungen sind ja für alle gleich!

Der Startschuss! Endlich geht’s los! Die Pendelstrecke mit Kopfsteinpflaster-Anteilen ist nicht jedermanns Sache. Wichtig: Im Zeitplan bleiben! Kilometerschnitt halten! Und Bianca denkt an die Vorgabe ihres Lauftreff-Leiters: „Die zweite Hälfte schneller als die erste laufen!“.

Unterwegs die bange Frage von Kurt Stenzel, der sein Damenteam von Spiridon Frankfurt mit dem Fahrrad betreut: „Habt Ihr ein Team?“ Ihm sind die orangen Hemden im vorderen Frauenfeld aufgefallen, und er sorgt sich um die Platzierung seiner Athletinnen.

Das Finish

Kerstin geht als erste durch: 2:59:00 glatt. Naja – etwas über ihrer persönlichen Vorgabe. Aber den Wetterbedingungen muss Tribut gezollt werden. Bianca finisht nach 3:06:24. Banges Warten: wo bleibt Anne? Hoffentlich ist der Jüngsten im Team nichts passiert? Nach 3:26:30 Stunden liegen sich die Damen jubelnd und weinend in den Armen. Annes erste Worte „Es tut mir Leid!“ Bereits bei km 20 hatte sie gemerkt: heute ist nicht mein Tag! Aber das gegebene Versprechen trieb sie voran. Alle drei haben ihr Ziel erreicht. Nun heißt es abwarten…

Gespanntes Warten

Erste Einzel-Ergebnisse der Meisterschaften werden ausgelegt: Kerstin Platz 14, Bianca Platz 23 und Anne Platz 46. Wird es reichen? Schnell ist klar: das Team von LG Domspitzmilch Regensburg wird seiner Favoritenrolle wieder gerecht und ist Manschaftsmeister. Aber was ist auf den Plätzen? Rechnen hilft nicht, weil die Ergebnislisten noch nicht vollständig sind. Die Spannung steigt…

Die Siegerehrung

Regensburg – Marathon-Bühne – 14:30 Uhr. Die Domspitzmilch -Damen bekommen ihre erwartete Goldmedaille, Zweiter wird das Team von Spiridon Frankfurt. Überraschungsdritte und Bronzemedaille für: „SV EINTRACHT HIDDESTORF!“. Die Mädels springen begeistert von ihren Sitzen. Heitere Stimmung bei der Ehrung, als die Damen auf die Frage des Kommentators nach „Hiddestorf“ wie aus einem Munde antworteten: „Hiddestorf liegt südlich von Hannover, hat 1.600 Einwohner, der Sportverein hat 600 Mitglieder und ist fußballorientiert. Die Laufgruppe existiert seit 10 Jahren und umfasst 60 Aktive“. Man hatte sich doch insgeheim auf diesen Moment vorbereitet.

Vierter wurde das Team vom ETSV Lauda; mit 20 Minuten Rückstand.

Das SVE-Tonikum

Alles vorbei. Die Mühen des Trainings haben sich gelohnt. Nach der Ehrung sitzen Kerstin, Bianca und Anne noch zusammen und öffnen ihr „SVE-Tonikum“, das ihr die fürsorglichen Hiddestorfer mit ins Reisegepäck gegeben haben. „Zur schnellen Erholung nach sportlichen Glanztaten“ steht auf dem Etikett. Und der Hopfen entfaltet schnell seine beruhigende Wirkung; das Malz gibt die verbrauchten Energien zurück.

Bianca öffnet neugierig den Umschlag mit der Trainerprognose, die bei großen Wettkämpfen seit langem dazu gehört. 3:04:58 und Platz 21 hat ihr Lauftreffleiter vorhergesagt. Nur knapp daneben! „Naja – der Jürgen hätte eben mal mitlaufen sollen, dann hätte er gemerkt, wie schwer es bei diesen Bedingungen war“. Aber der hatte es ja vorgezogen, in Hannover zeitgleich den Halben zu laufen.

 

Weiter geht’s……

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf! Schnell sind Kerstin, Bianca und Anne sich einig: das war nicht unser letzter gemeinsamer Wettkampf! Für Bianca ist erstmal eins sicher: „Keinen Marathon mehr in diesem Jahr“. Der Trainingsaufwand zehrt doch arg am Familienleben. Und Kerstin peilt als nächstes Leistungsziel für 2005 den Triathlon in Roth an.

Das SVE-Dreamteam ist aber mit Sicherheit noch für so manche Überraschung gut…

PS: Kerstin hat am 03.07.2005 in Roth mit 11:06:20 den 4. Platz in der Altersklassenwertung belegt.